Steebschacht 2024-2025
>>> zur Telemetrie
Der Steebschacht bei Wennenden (Kat.-Nr. 7524/120)
2024-2025
2025
Das Jahr 2025 begann gleich mit einer aufregenden Tour in Poseidons Reich. Bei der ersten Tour im Januar hatte sich ein Team aus mehreren Tauchern gefunden, deshalb hatten wir uns zum Ziel gesetzt, dem Fluss so weit wie möglich stromaufwärts zu folgen.
Bedingt durch die Schneeschmelze in den letzten Tagen war der Wasserstand in Absentia leicht erhöht, wir sahen aber kein Risiko für das Tauchen durch den Siphon stromaufwärts. Als wir in Poseidons Reich angekommen waren, mussten wir aber erkennen, dass schon ein paar Zentimeter mehr hier einen großen Unterschied machen: Weite Strecken, auf denen man sonst von Felsen zu Felsen gehen kann, lagen unter Wasser. Auch die Strömung hatte es in sich, sodass wir uns teilweise behelfsweise mit Seil sicherten, um dagegen anzukommen. Das Vorankommen war zwar sehr mühsam, aber voller fantastischer Eindrücke. Stellenweise wird der Tunnel breiter und höher als Absentia. Dann gibt es wieder Bereiche, in denen sich die Höhle zu einer schmalen Schlucht verengt. Es gibt einige Klüfte, die seitlich weg und nach oben führen, sowie große Tropfsteine, die allerdings alle verlehmt sind. Während man sich in der Nähe des Siphons teilweise noch auf Lehmbänken am Ufer bewegt, geht man weiter hinten nur noch auf schroffen Felskanten. Poseidons Reich ist insgesamt viel dynamischer als Absentia.

Bei Hochwasser in Poseidons Reich
Um die Fortbewegung in Poseidons Reich zu erleichtern, wurden in den folgenden Touren Traversen eingerichtet. So kann man nun die schwierigen Stellen mit starker Strömung leichter überwinden. Außerdem wurden die Führungsleinen im Siphon optimiert, sodass das Tauchen durch No Limits deutlich einfacher geht.
Im Juli gab es eine erste „richtige“ Fototour nach Poseidons Reich. Wie alles musste auch die Fotoausrüstung aufwändig durch den Siphon transportiert werden, was uns vor eine logistische Herausforderung stellte. Hinten angekommen, startete die Tour im Bereich der Kreuzhalle, und ging von da aus flussaufwärts. Da Poseidons Reich an jeder Ecke interessante Motive zu bieten hat, ging die Tour recht langsam voran. An diesem Tag entstanden einige beeindruckende Bilder – Poseidons Reich hat aber noch zahlreiche interessante Motive zu bieten.

Fototour im Bereich "B28".
Im September 2025 wurde bei einem weiteren Vorstoß das vorläufige Ende von Poseidons Reich erreicht. Nachdem die Höhle auf einer langen Strecke entlang einer hohen Kluft folgt (ca. 25m hoch), macht der Gang einen scharfen Knick. Hier senkt sich die Decke. Schwimmend erreicht man einen See, und von dort aus eine Seitenkammer, hinter der wir den nächsten Siphon vermuten.
Über das Jahr hinweg wurde auch die Vermessung vorangetrieben. Wie in allen Wasserhöhlen ist der Transport der Messgeräte schwierig, und die Verständigung wegen des rauschenden Wassers teilweise unmöglich. Um eine Einschätzung der Gesamtlänge zu machen, wurde daher zunächst ein grober Polygonzug gelegt, der in Poseidons Reich auf über 500m kommt. Die Detailvermessung wird sukzessive nachgearbeitet. Die Höhle zieht flussaufwärts unter Wennenden durch, kreuzt die B28 und läuft auf ein Waldstück zu. Damit hat der Steebschacht nun eine Gesamtlänge von 1964m.

Materialschlacht auf dem Weg nach unten.
Währenddessen wurde auch in Absentia weiter geforscht. Um den Weg in den Obergang zu erleichtern, wurde eine Traverse eingebaut. So kann man nun von der Plattform aus direkt ins Seil einsteigen, und bis in den Aufstieg zum Obergang traversieren. Man spart sich die kurze Schwimmstrecke durchs Wasser, und damit auch den Neoprenanzug.
Eine weitere Aufgabe bestand darin, die vielen Klüfte in Absentia zu erforschen, und nach möglichen Fortsetzungen zu suchen. In zahlreichen Klettertouren wurden die Schlote flussab- und -aufwärts „abgegrast“. Flussabwärts trafen wir auf einen Schlot mit 15m Höhe, der einen schönen Sinterfall aufweist. Leider konnte in keiner der bislang erforschten Schlote ein Horizontalgang, oder eine mögliche Umgehung für die Siphone ausgemacht werden.

Klettern in Absentia, ausgehend von der Plattform.
Auch im Bereich „Kleiner Peter“, dem Siphon flussabwärts, wurden einige Tauchvorstöße unternommen. Allerdings zeigt sich, dass dieser Siphon deutlich tiefer und länger als „No Limits“, der Siphon flussaufwärts ist. Es bleibt spannend, wie es in diese Richtung weitergeht.
2024
In diesem Jahr ging es mit großen Schritten mit der Tauchplattform voran. Nachdem die letzten Engstellen im Gang der Hoffnung passierbar waren, konnten auch die größeren Bauteile nach Absentia transportiert werden. Dann ging es zur Sache: Als Stützpfeiler wurden Rohre im Boden versenkt. Allerdings stellte sich dabei heraus, dass wir die Stärke der Sedimentschicht total unterschätzt hatten: Eigentlich war vorgesehen, pro Stützpfeiler ein 2m langes Rohr zu versenken, bis man auf massiven Fels treffen würde. Weit gefehlt: es verschwanden 5m Rohr im Lehm, ohne auf eine massive Fläche zu treffen. Da die Stabilität trotzdem gegeben war und auch das Material ausging, ließen wir es damit gut sein. Mit dem Einschlagen der Rohre wurde nebenbei noch eine neue Mannschaftssportart entwickelt.

Versenken der Stützpfeiler für die Plattform
Als Fläche wurde Lichtgitterroste montiert. Mit einer Leiter erreicht man bei Normalwasser das Uferniveau. Inklusive Materialtransport waren wir bis zur Fertigstellung im Sommer 2024 ca. 1 Jahr beschäftigt. Der Mehrwert der Plattform ist aber enorm, da man hier eine saubere, stabile Fläche hat, um Material abzulegen und sich umzuziehen. Das ist insbesondere für die Tauchvorstöße mit sensiblem Equipment wichtig.


Die Plattform im Bau
In mehreren Tauchaktionen wurden der Siphon in westlicher Richtung (No Limits) vermessen. Auch aus dem Bereich dahinter (Poseidons Reich) gibt es erste Eindrücke und Messdaten. Nach dem Siphon kommt man zunächst in eine Schwimmstrecke mit tiefem Wasser (ca. 35m lang), die seitlich von glatten Wänden begrenzt ist. Weiter flussaufwärts verändert sich die Erscheinung der Höhle: Sie wird großräumiger (z.T. 20m hoch, 30m breit). Es liegen große Felsbrocken im Wasser, und am Ufer gibt es Lehmbänke, auf denen man stehen kann. In einer großen Halle kann man in der Decke ein markantes Kluftkreuz sehen, was ihr den Namen Kreuzhalle verliehen hat. Seitlich gibt es zahlreiche Spalten und Klüfte, die möglicherweise zu weiteren Zuläufen und Gängen führen. Es gibt viele Tropfstellen und Gruppen von Stalagtiten (teilweise 2-3m lang). Weiter flussaufwärts trifft man auf Stromschnellen. Insgesamt folgt die Höhle weiter der Hauptkluft, die man schon in Absentia erkennen kann. Bei einer ersten Grobvermessung wurde ein Polygonzug gelegt, um die Länge des neuen Teils abschätzen zu können. Der bisher befahrene Teil ist ca. 350 m lang.

Taucher bei der Vorbereitung


In Poseidons Reich
Im September 2024 wurde der Obergang entdeckt, der ein Stockwerk über dem Flusstunnel bildet. Dieser Bereich war zunächst im Dezember 2023 erkundet worden. Zu dieser Zeit gab es in Absentia ein durch Schneeschmelze bedingtes außergewöhnliches Hochwasser. Der Wasserstand lag bei 4,8 m – also deutlich über dem Normalpegel von 60cm. Dadurch konnte man auch die Bereiche weiter oben besser sondieren. Während der Forschungswoche 2024 wurde in diesem Bereich noch eine Entdeckung gemacht: Ca. 30m über Absentia geht ein Horizontalgang ab, der einmal diagonal über Absentia hinweg führt. Der Obergang ist insgesamt 100 m lang und ist beeindruckend ausgeschmückt.
Neben dem Obergang wurden noch an einigen anderen Stellen in Absentia Kletterversuche unternommen. Aktuell ist noch eine Stelle direkt an der Plattform in Bearbeitung. Im November 2024 wurde hier in der Hauptkluft eine Höhe von 30m erklettert. Ein Ende ist noch nicht erreicht, allerdings gab es bisher noch keinen Hinweise auf eine horizontale Fortsetzung.

Klettern in Absentia
[Stand: 04.02.2025]