Vetterhöhle

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Forschungsgeschichte der Vetterhöhle 

(Kat.-Nr. 7524/30a)

Plan der Vetterhöhle als PDF-File (DIN A0, Stand: Januar 2015)

Vorgeschichte

Dem aufmerksamen Wanderer fällt auf der Alb, besonders im Winter, manchmal eine schneefreie Stelle auf, an welcher ein deutlicher Luftzug in einer Erdspalte verschwindet. Im Sommer ist an der gleichen Stelle ein kalter Luftaustritt aus dem Berg zu beobachten. Diese Bewetterungsstellen sind ein Karstphänomen und deuten auf größere Hohlräume im Untergrund hin. Sie entstehen durch Konvektion, also das Aufsteigen wärmerer Luft gegenüber kälterer Luft und damit einem Luftstrom zwischen höher und tiefer liegenden Höhlenzugängen. Diese Zugänge sind meisten engste Spalten im Milimeter- bis Zentimeterbereich.

Bei sehr großen Hohlräumen kann sich auch noch eine barometrische Komponente überlagern. Dabei entsteht ein Luftstrom, indem sich der Luftdruck durch Hoch- und Tiefdruckgebiete an der Oberfläche ändert und zum Druckausgleich Luft in die Höhle hinein oder aus der Höhle heraus strömt.

Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden Blaubeurer Bürger bei der Suche nach weiteren, trockenen Zustiegen in den Blautopf auf der östlichen Seite des kleinen Galgentäles kurz hinter dem Ortsausgang Blaubeuren fündig. Eine kräftige Bewetterungsstelle am Hang erregte die Aufmerksamkeit. Unter der Leitung von Herrn Karl Vetter grub man etwa fünf Meter an einer Felswand entlang in die Tiefe, immer einem kräftigen Luftzug nach. Da außer der Felswand die Wände nur aus Schuttmaterial bestanden, musste in dieser Tiefe aufgrund von Einsturzgefahr aufgegeben werden.

Nachdem etwa 40 Jahre ins Land gegangen waren und die Blautopfhöhle durch weitere Forschungserfolge immer besser bekannt war, erinnerte man sich wieder an die alten Aktivitäten und die beeindruckende Bewetterung im Galgentäle. Die Stelle lag zwar nicht direkt über der Blautopfhöhle, war aber durch die Lage auf der Verlängerung zweier Störzonen sehr interessant. Außerdem gab es eine alte Veröffentlichung, dass ein Färbungsversuch in der alten Grabung im Blautopf nachzuweisen war. Eine Verbindung war damit sehr wahrscheinlich.

     Die spätere Grabungsstelle

November 2002

Im November 2002 waren alle nötigen Genehmigungen für eine Grabung vorhanden und die Grabung konnte beginnen. Von Anfang an wurden die Maße des Schachtes mit 1,4 x 1,8  Meter deutlich größer angelegt, als bei der historischen Grabung in den 60er Jahren. Die Grabung kam schnell voran, im Juli 2003 wurden etwa 9m erreicht.

     Grabung im Winter
     Grabung im Sommer
     Grabung im Sommer

Die Verbauung der Vetterhöhle

Zunächst standen wir doch einigermaßen ratlos vor der Aufgabe eine statisch einwandfreie Verbaukonstruktion in die Vetterhöhle einzubringen.

Zum Glück konnte uns Rafael Grimm von der Höhlenforschergruppe Hegau-Randen helfen. Wir erhielten von ihm genaue Angaben über die Stärken der zu verwendenden Baumstämme und eine detaillierte Beschreibung nebst Zeichnung, wie ein solcher Verbau statisch einwandfrei und für lange Zeit haltbar zu konstruieren ist.

Anhand der Fotos kann man die Konstruktion gut erkennen und nachvollziehen. In der Hauptsache besteht der Verbau aus Stempelholz (die vier Ecken) und Spannhölzer (zwischen den Ecken bzw. Stempelhölzern), deren Stärke >20 Zentimeter beträgt. Hinter dieses Gebilde werden ohne weitere Befestigung Stämme mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern gelegt, welche die eigentlichen Wände bilden. Durch den Druck des angrenzenden Schuttes bleiben sie an Ort und Stelle.

      Erster Teil des Verbaus

Juni 2005

Die Vetterhöhle hat inzwischen richtige Schachtmaße angenommen. Sie ist jetzt auf einer Tiefe von 20 Metern ausgegraben und hat uns so manche technische "Meisterleistung" abverlangt. Wir, die Kerngrabungsmannschaft, sind ziemlich stolz auf unsere Leistung und danken den leider nur Wenigen, die uns mit ihrem Kommen immer mal wieder unterstützt haben.

Bisher wurden mehr als 100 Tonnen Material aus dem Schacht an die Oberfläche geschafft. Wohlgemerkt alles per Hand! Überwiegend handelte es sich dabei um Schutt, der durch frostgesprengte Kalksteine entstanden ist.

Der Schachtinhalt dürfte holozänen Ursprungs sein, bestand aber zum Zeitpunkt der Verfüllung der Vetterhöhle aus großen Blöcken und größeren Steinen. Da unsere laufenden Temperaturmessungen ergeben haben, dass bis in den Frühsommer hinein bis in eine Tiefe von ca. 13 Meter im Schacht Frost herrscht, dürften diese großen Blöcke und Steine erst in den letzten 10.000 Jahren zu dem Schutt zerfallen sein, den wir auf den ersten 13m Tiefe angetroffen haben.

Bei 13 Meter Tiefe zwang uns die "Höhle" einen Versatz einzubauen, weil der Schachtboden massiv war bzw. die Felswand, an der wir uns die ganze Zeit entlang gruben eine Terrasse ausbildet. Wir frohlockten schon jetzt die andere Schachtwand gefunden zu haben. Leider war dem nicht so, es handelte sich lediglich um einen sehr großen, massiven Felsblock, dem wir auch nicht zu Leibe rücken wollten. So haben wir uns zunächst um den Fels "herumgegraben". Dies erforderte einen horizontalen Vortrieb im losen Schutt, was bezüglich Verbau eine große Herausforderung war.

     Massiver Holzverbau

Februar 2006

Die weitere Grabung wurde mit viel Enthusiasmus von einigen "Verrückten" weitergetrieben. Bei einer Tiefe von 22 Metern erreichten wir eine Spalte, die sich mehrere Meter nach unten an der nördlichen, äußeren Verbauwand öffnete. Der Luftzug zog mit hoher Geschwindigkeit (bis zu 2,2 m/s) in diese Spalte. Nur leider war sie mit 25 Zentimetern zu eng, um sie sogleich zu befahren. Erst eine Erweiterung der Spalte auf ein für Höhlenforscher erträgliches Maß erschloss sie für eine Erkundung. Petra und Andi (unsere Schmalsten) konnten die Spalte auf einer Länge von mehreren Metern und einer Tiefe von sechs Metern erkunden. Wobei die Spalte eigentlich nirgends breiter als 40 bis 45 Zentimeter ist. Schnell wurde klar, dass es sich "nur" um eine Abrisskluft handelt und Andi stellte fest, dass sich der Luftzug, nicht wie zunächst geglaubt, in die Spalte "verzieht", sondern vielmehr nur etwa ein Meter darin "läuft", um dann wieder im Versturz unseres Grabungsschachtes zu verschwinden. Also ließen wir die Spalte buchstäblich links liegen, um weiter nach unten zu graben.

Etwa sechs Meter tiefer öffnete sich hangeinwärts wiederum eine Spalte, deren Boden 45 Grad schräg nach unten führte. Wir waren schon dem Jubeln nahe, weil es schien, dass das Graben nun ein Ende haben könnte - höchstens noch ein bisschen.

Bei der ersten Befahrung zeigte sich Richtung Blaubeuren (Süden) eine kleine Kammer, höchstens 70 Zentimeter hoch mit Versturzboden (was sonst) und einigen hübschen Sinterkleinformen. Bald wurde aber klar, dass es sich dabei aber um die Decke einer verfüllten großen Halle handeln muss. Also wurde weiter gegraben. Nochmals drei Meter tiefer (33 Meter) stießen wir auf eine bergwärts gerichtete Fortsetzung dieser Halle. Hier gab es schon "richtige" kleine Stalagmiten und die Fortsetzung war bequem begehbar. Dummerweise nur auf vier bis fünf Meter Länge. Und der Luftzug zeigte uns wieder mal den Weg nach unten. Getreu unserem Motto: Das muss tiefer, ging es also weiter mit dem Eimertransport mit inzwischen drei elektrischen Winden. Eine der Winden bildete einen Schrägaufzug aus der bergwärtigen Fortsetzung.

Am 1. Mai 2006 erreichten wir bei einer Tiefe von 37,5 Meter einen zunächst ziemlichen engen horizontalen Durchschlupf Richtung Blaubeuren. Es war unser "Tor der Hoffnung", und es führte zur Entdeckung der Herbert-Griesinger-Halle (HGH). Eine schon ziemlich imposante Halle für unsere Verhältnisse auf der Schwäbischen Alb. Mit einer Länge von fast 20 Metern, einer durchschnittlichen Breite von 15 Metern und einer Höhe von bis zu 15 Metern standen wir doch ziemlich überrascht in dem großen Hohlraum. Wir hatten in dieser Tiefe eigentlich eher mit kleineren Hohlräumen gerechnet. Aber was soll's - in jedem Fall eine schöne Entdeckung.

Nun, der Luftzug wies uns weiterhin den Weg, glaubten wir, bis Andis Nase mal wieder bewies, das er sie nicht nur zum "ich habe Schnupfen" hat. Ziemlich im Eingangsbereich der HGH "schnüffelte" er im Boden- und Wandschutt herum und buddelte sich dann an einer Stelle ein gutes Stück in den Schutt hinein. Mit jedem Stein, den er dort praktisch allein herausholte, wurde der Luftzug vorne an unserer Grabungsstelle weniger und verlagerte sich in den Eingangsbereich der HGH. Entsprechend verstärkte sich der Luftzug an "seiner" Grabungsstelle. Also wurde kurzerhand beschlossen ihm dort hinten zur Hand zu gehen. Ich möchte jetzt die wochenlangen Grabungs­arbeiten durch 15 Meter schwerem Verbruch insofern abkürzen, als gesagt werden muss: Es war eine fantastische Leistung von Udo, Fritz, Tobias und Andi, die teilweise auch noch in der Woche nach Feierabend stattfand.

Und dann war es soweit. Kurz vor dem Durchbruch in den "Palast der Winde" (PDW) konnte man schon ein starkes Hallen hören, wenn man den "Höhlenforscher-PUI-Ruf" von sich gab.

Udo betrat - oder vielleicht besser - erschlufte den Palast der Winde zuerst. Es dauerte noch einen weiteren Tag, bis er den Zustieg soweit erweitern konnte, damit alle anderen auch durch passten. Inzwischen haben nämlich die meisten von uns durch die fast vierjährige Graberei viele Muskeln entwickelt ...

Der PDW ist fast dreimal so groß wie die HGH. Er hat teilweise schöne Sinterformationen an Wänden und Boden, ist aber ähnlich wie die HGH sehr stark verstürzt. Allein ein Versturzblock hat die Maße fünf mal sechs mal acht Meter. Wirklich gigantisch was sich hier mal abgespielt haben muss. Durch diesen starken Verbruch liegt die Halle auch sozusagen schräg im umgebenen Gestein.

     Versturzblöcke mit HöFo im "Palast der Winde"
     Im "Palast der Winde"

Juni 2006

Schon während der Vermessung des PDW steckten vor allem die sehr schlanken Mitglieder des Teams ihren Kopf in jede noch so enge Spalte, von denen es aufgrund der Versturzblöcke genügende gibt, denn es könnte sich ja eine Fortsetzung dahinter verbergen. Einige Spalten waren auch befahrbar, was sich bei wirklich engen Schlufen allerdings viel zu komfortabel anhört. Sie endeten entweder schnell oder man erschien nach Unterquerung der Versturzblöcke wieder in einem anderen Teil des PDW.

Da es bisher eigentlich immer nach unten weiter gegangen war, wurde auch der untere Teil des PDW zuerst und am intensivsten nach Luftzug und möglichen Fortsetzungen untersucht. Als dann im obersten Teil der Halle eine Spalte unter einem Überhang erstmals inspiziert wurde, tat sich im Boden plötzlich ein Loch mit etwa 1m Durchmesser auf das als Kamin nach unten führt - die Fortsetzung.

An einem Sicherungsseil steigt man etwa 10m nach unten in einen Raum, etwa halb so groß wie die HGH.Hier war die Höhle wieder einmal zuende.

Mit dem Grundsatz "Es muss tiefer" und "Wo ist der Luftzug?" wurde im unteren Teil des Raumes eine Stelle zum Graben identifiziert...

Heute zwängt man sich mit den Füßen voran in eine sehr schmale, vertikale Spalte mit Knick, die nach etwa 2m nach unten weiter wird, man sollte also beim hinunterrutschen die inzwischen eingebauten Steigsprossen nicht verfehlen.

     Abstieg in die "Walhalla"

An den Sprossen steigt man weitere etwa 8m an einer Felswand hinunter und steht am oberen Ende einer fast 45 Grad steilen Schutthalde. Klettert man nun hier ein paar Meter hinunter, hat man den Eindruck, das Helmlicht wäre ausgegangen, man sieht - nichts.

     "Walhalla", von rechts oben erfolgt der Abstieg

Ein lockerer Spruch sagt, dass Höhlenforscher nichts suchen, und zwar möglichst viel Nichts.

Davon ist in der Walhalla einiges vorhanden. Man kann, genügend Licht vorausgesetzt, den Blick richtig in die Ferne schweifen lassen.

Inzwischen sind 2,1km Vetterhöhle entdeckt und vermessen. Die Verbindung zur Blautopfhöhle wurde über das Wolkenschloß hergestellt, daher spricht man heute vom Blauhöhlensystem. Es wurde alles gefunden, was das Herz eines Höhlenforschers höher schlagen lässt, vor allem Hallen einer Größe, die man bisher auf der Alb für unmöglich gehalten hätte.

Im Dezember 2006 befindet sich das Ende der Höhle im Norden fast genau unter der B28. Dieses Ende ist wieder einmal ein Versturz und es wird wieder einmal gegraben...

2008

Der Erfolg der Grabungsaktion ist ein extrem enger Schluf, aber damit auch eine Umgehung des Versturzes. Das neue Ende der Höhle markiert eine etwa 40m hohe Kluft, der sogenannte "Knöpfchensinterschacht".

     Abseilen in den "Knöpfchensinterschacht"

Eine Peilaktion vom oberen Teil des Schachtes aus zeigte den genauen Oberflächenpunkt zwischen der Sonderbucher Steige und der B28 und brachte die Erkenntnis, dass die Überdeckung an dieser Stelle nur etwa 10-12m beträgt. Daher fiel zu Beginn des Jahres 2008 die Entscheidung, an dieser Stelle erneut von der Oberfläche her zu graben, um einen alternativen Höhlenzugang im hinteren Teil der Vetterhöhle zu schaffen.

2009

Im Juni 2009 erfolgte der Durchbruch im Knöpfchensinterschacht. Nach fast eineinhalb Jahren kontinuierlicher Grabung, wurde der Schacht in ca. 30m Höhe, so wie berechnet, angeschnitten. Kurz zuvor war der Eingangsbereich mit einer Eingangstor und Luftschleuse versiegelt worden, um einen künstlichen Luftaustausch zu verhindern. Hierdurch versucht der HvB eine künstliche Bewetterung und damit einhergehende Änderung des Klimas weitestgehend zu verhindern. Auch am Schacht 1 der Vetterhöhle ist bereits seit Jahren eine Luftschleuse installiert. Vergleiche hierzu die "Richtlinier zum Schutz des Höhlenklimas (RSHK), welche vom HVB in der Delegiertenversammlung des LHK (Landesverband für Höhlen- und Karstforschung BW e.V.) 2010 eingebracht wurde.

Wissenschaft

Inzwischen laufen in der Vetterhöhle auch mehrere wissenschaftliche Projekte:

Geologie: Hier bietet die Vetterhöhle aufgrund ihrer teilweise 40m hohen Hallen einen perfekten Querschnitt durch die Gesteinsschichten der schwäbischen Alb.

     Versteinerter Seeigelstachel, vom Wasser sauber herauspräpariert

Biologie: Die Schnittstelle zwischen aktiver Wasserhöhle und trockenen Höhlenteilen ist der optimale Ort, hochspezialisierte Höhlentiere zu erforschen.

Vermessung: Neben der normalen Vermessung der Höhle (mit Maßband, Kompass und Neigungsmesser) wurden mittels Peilsender und Empfänger alle markanten Punkte der Höhle sozusagen in der Landschaft abgebildet, professionell vermessen und in das öffentliche Vermessungsnetz eingebunden. Dadurch erreicht man eine sehr hohe Genauigkeit der Pläne.

Telemetrie: Halbstündlich ermittelte Messwerte werden drahtlos aus der Höhle auf einen Server in der Schweiz übertragen, wo die Daten Wissenschaftlern zur Verfügung stehen. Weitere Informationen und Telemetriedaten gibt es hier.

2010 - 2012

1. Biologische Aufsammlungen:

Jeden Monat wurden seit 2006 mit noch offenem Ende unter der Leitung von Petra Boldt biologische Aufsammlungen in der Vetterhöhle gemacht. Die Aufsammlungen im Bereich des Drachfelsganges fanden unter der Leitung von Robert Eckardt statt. Genaue Informationen zu den Aufsammlungsorten sind im Karstreport 2012 anhand von Höhlenplänen zu sehen. Genauso Fotos und Beschreibungen von in der Vetterhöhle lebenden Tieren.

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Petra Boldt und Robert Eckardt im Drachenfals bei der Nahme einer mikrobiologischen Probe

2. Fledermauskartierung

In den Wintermonaten wurden jeden Monat in Zusammenhang mit den biologischen Aufsammlungen auch Fledermauskartierungen durchgeführt. Sie wurden unter der Leitung von Dieter Hoffman, Arge Fledermausschutz, durchgeführt.
Die Ergebnisse vom Winter 2009 / 2010 sind im Heft Speläo-Südwest (Heft 2 der höhlenkundlichen Veröffentlichungen des Höhlenvereins Blaubeuren) veröffentlicht und die Ergebnisse vom Winter 2011/ 2012 werden im Karstreport 2013 dargestellt.

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Großes Mausohr im Oktober 2010 im Palast der Winde

3. Es wurden jedes Jahr mehrere Vermessungstouren durchgeführt.

3.1.
Im Nordgang war ein Verbindungsschacht in den Wolkenschlossgang gefunden worden, der sich nach oben in einem Schlot fortsetzte. Nachdem dieser Schlot erklettert war, kam man bereits nach wenigen Metern auf einem kleinen Balkon, der einen Ausblick wieder in den Nordgang ermöglichte.

3.2.
Im Wolkenschlossgang war schon seit Längerem ein kleiner Abzweig bekannt, der in Richtung Nordgang zog. Auf dem Plan war dieser Abzweig bereits angedeutet, aber nicht zu Ende vermessen und dokumentiert. Anhand der Vermessung konnten wir nun auch genau feststellen, an welcher Stelle der Gang in den Nordgang führen würde, würde man eine Lehmbarriere durchgraben. Wegen der einzigartigen Schönheit dieses Ganges wird aber eine Grabung ausgeschlossen. Auch von Seiten des Nordgangs ist die Stelle der Verbindung eindeutig in einer Kluft zu sehen.

3.3.
Ein kleiner Verbindungsgang vom Wolkenschlossgang zum Vorsee im Wolkenschloss war auch schon länger bekannt, aber noch nicht vermessen. Dieser Gang führt zuerst steil hinauf um dann plötzlich in einen Schacht abzufallen. Vom Vorsee des Wolkenschlosses kann man bequem mit dem Boot an den Schachtgrund gelangen. Es handelt sich hier vermessungstechnisch um einen Rundzug.

3.4. Vermessung des hinteren Drachfelsganges
Am Ende des hinteren Drachfelsganges warteten auch noch ein paar Meter Höhle auf ihre Vermessung. Am Ende kam sogar ein Rundzug zusammen und diese Stelle, die genau auf die Glasfelsenhöhle zuläuft, ist noch nicht ganz fertig vermessen, weil in diesem sehr schönen, aber engen Höhlenbereich die Vermessung, selbst mit den modernen DistoX-Vermessungsgeräten, seine Zeit benötigt.

4. Forschungstouren

Systematisch haben wir die Vetterhöhle abgesucht, um noch nicht vermessene Höhlengänge festzuhalten. Dabei sind wir auf mehrere noch nicht befahrene Gänge gestoßen.
Die weitere Erforschung und Vermessung dieser Gänge wird Aufgabe in 2013 sein.
Es wurden 2 weitere, interessante Stellen für eine Grabung entdeckt. Damit wären 3 Grabungsstellen in der Vetterhöhle zur Zeit auf der „Arbeitsliste“
Die Grabungsstelle in der HGH in Richtung Westen, eine Grabungsstelle im Nordgang in Richtung Westen und eine Grabungsstelle im Drachenfelsgang in Richtung Nordosten.

5. 3D-Scan

Teile der Vetterhöhle wurden mit einem 3D-Scanner aufgenommen. Dazu musste der Scanner selbst, gut in einem Pelikoffer verpackt, einschließlich Akku und Ladegerät in die Höhle verfrachtet werden. Das 30.000 Euro teure Gerät musste dabei wie ein rohes Ei behandelt werden, was natürlich unter den Bedingungen einer Höhlenbefahrung nicht gerade einfach ist. Dazu gehörte natürlich ein stabiles Stativ zur Aufstellung des Scanners und ein Koffer mit den nötigen Referenzzielen. Vermessungsgerät, um die jeweiligen Aufstellorte an den Polygonzug anbinden zu können, war ebenfalls im Gepäck der Forscher. Zur Dokumentation der sicherlich seltenen Aktion wurden Kameras und ausreichend Blitzgeräte in die Höhle geschafft. Alles in allem wurde mit 21 Aufstellungen die Walhalla und der Nordgang bis kurz hinter die Abzweighalle gescannt
Ein Bericht mit vielen Bildern ist im Karstreport 2012 nachzulesen!

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Eine Scanaufnahme aus der Walhalla (links der Beginn des vorderen Landweg 

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Aufstellung des Scanners im Beginn des Nordganges. Die weißen "Kugeln" sind die Referenzen, um die einzelnen Scans aneinander zu reihen. .

6. Erstellung eines neuen Zugangsschachtes in die Vetterhöhle

Die ältesten Teile des Entdeckungsschachtes stammen von 2002. Sie sind nun 10 Jahre alt. In den Jahren haben wir zwar immer wieder die Holzqualität geprüft, um sicher zu sein, dass die Schachtkonstruktion noch hält. Deshalb hatten wir uns schon im Jahr 2011 überlegt, wie der neue Schacht hergestellt werden könnte.

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Im Hintergrund die Grabungsstelle in der HGH, vorne rechts der Sender zur Peilung des ersten Bohrloches
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(vlnr) Petra Boldt, Dr. Claudio Filomena, Holger Döhmann bei der Begutachtung der Deckenstrukturen in der HGH
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Vermessung des Peilpunktes mit dem DistoX
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Knut Brenndörfer peilt bzw. überprüft die Peilung für das erste Bohrloch an der Oberfläche

Letztendlich haben wir uns dazu entschieden ein Bohrunternehmen zu beauftragen, den Schacht zu bohren. Allerdings können wir uns keine Bohrung leisten, wie sie am Stairway-to-Heaven durch die Stadt Blaubeuren finanziert wurde. So kam für uns nur die „light“-Version in Frage. Dazu wurden in einem Kreis von 140cm insgesamt 18 Löcher mit einem Durchmesser von 80mm bis in 22m Tiefe gebohrt. Zuvor haben wir uns natürlich die nötigen Genehmigungen besorgt und mit dem Grundstückseigentümer per Notar die rechtlich nötigen Fragen geklärt und in einem entsprechenden Vertrag fixiert. Unser Mitglied Dr. Claudio Filomena hat für die Genehmigung ein Gutachten erstellt, in dem die Standfestigkeit der Herbert-Griesinger-Halle beurteilt wird. Um die Halle so wenig wie möglich zu tangieren, empfahl er uns den Schacht im Wandbereich abzuteufen. Es wurde dann eine genaue Peilung mit unseren Peilgeräten gemacht. Diese Peilung wurde dann mit einer Abweichung von 10cm durch die erste Bohrung bestätigt.
Seit Juni 2012 sind wir nun dran und bis Ende des Jahres wurden schon einige Meter geschafft. Aber wir haben noch ca. 17m Abbrucharbeit in ziemlich festem Gestein zu machen.

7. Paläontologie in der Vetterhöhle

Die Vetterhöhle kann mit einem eiszeitlichen Fund aufwarten. Ein von Martina Boldt entdecktes Schädelfragment stellte sich in Untersuchungen von Thomas Rathgeber und Achim Lehmkuhl als eiszeitlicher Fund eines Steppenbisons aus dem Jungpleistozän (vor 12 000 bis 126 000 Jahren) heraus. Das Fragment wurde vermutlich eingeschwemmt und nicht von Menschen in die Höhle gebracht. In der Gangfüllung der „Umgehung“, wo dieses Stück gefunden wurde, wären vermutlich noch mehr Funde zu machen. Ein Bericht mit Bildern ist im Karstreport 2011 zu finden.

8. Hochwasserbeobachtungen und Telemetrie

Im Zeitraum 2010 – 2012 gab es 2 kräftige Hochwasserereignisse, die wir in der Vetterhöhle dokumentiert haben. Besonders eindrucksvoll erschien den Forschern die Geräuschkulisse vor allem in der Abzweighalle, aber auch die starke Strömung im Wolkenschloss, als der Wasserstand es zuließ, wieder dort mit dem Boot hinzugelangen.
Im Karstreport 2011 ist eine erste Auswertung der Telemetriedaten dazu nachzulesen.
Auch wurde die Telemetrie erweitert: Es gibt eine Wetterstation in der Nähe der Höhle, die die Daten für die Temperatur der Außenluft, den Luftdruck (absolut) und Regenereignisse in mm/h bzw. mm seit 0:00 Uhr des jeweiligen Tages anzeigt. Wir haben lange daran "gebastelt", aber nun ist unser Vorhaben Wirklichkeit geworden. Im Karstreport 2013 wird es einen Bericht darüber geben.

Abzweighalle 01-Ausschnitt-
    Abzweighalle weitestgehend trocken
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    Abzweighalle "geflutet" (Januar 2011)

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Hochwasseraufzeichnung im Januar 2011 

 

9. Foto- und Filmarbeiten

Es wurden im Berichtszeitraum mehrere Fototouren, sowohl für die Erstellung des jeweiligen Höhlenkalenders, sowie auch zur Dokumentation durchgeführt. Auch unterstützen wir die Dreharbeiten für den Film „Höhlenwelt Blautopf – Neue Wege ins kalte Herz der Alb“

Die Projektleitung wurde ab 2012 von Petra Boldt übernommen.

 

2012 - 2015

1. Biologie:

Die biologischen Aufsammlungen in der Vetterhöhle wurden unter Leitung von Petra Boldt weitergeführt.  Die Fallen wurden nun in den Nordgang versetzt, da wir dort immer wieder die meisten Tiere beobachtet hatten.

Im Bereich Wolkenschlossgang wurden Schwimmfallen und Unterwasserfallen eingesetzt, was uns nun auch eine Menge Niphargen  einbrachte.

Eine Auswertung der biologischen Aufsammlungen in der Vetterhöhle bis 2014 wurde im Karstreport 2014/15 von Petra Boldt, Markus Boldt und Reinhard Koch veröffentlicht.
Hierbei wurden auch erstmals die Daten der Telemetrie  in Bezug auf die Häufigkeit der Höhlentiere gesetzt.
2015 wurde im „Klein Ebrö“ dem südlichsten Teil der Höhle ein Screening der Fauna durchgeführt.  Allerdings ist dieser Bereich auch in den höher gelegenen Teilen hochwassergefährdet und die Fallen wurden weggespült oder wir konnten sie wochenlang nicht erreichen.
Auch die Fledermauszählungen wurden in den Wintermonaten von Dieter Hoffmann, Arge Fledermausschutz, weitergeführt. Auch hierzu gibt es Berichte im Karstreport 2013 und 2014/15.

2. Grabungen:

Nachdem der Drachenfelsgang im Versturz nach Norden bei mehreren Touren systematisch nach einem Durchkommen abgesucht worden ist, kam man zu dem Schluss, dass es nur im obersten Bereich des Versturzes eine Möglichkeit gibt.
Markus Boldt hat schon vor Längerem eine  Stelle entdeckt, die aussichtsreich aussah, aber es mussten noch größere Steine entfernt werden.
2014 erfolgte dann bei einer gemeinsamen Tour mit der OHG (Ostschweizer Gesellschaft für Höhlenforschung) der Durchbruch durch den Versturz.
Durch eine extreme Engstelle im Versturz kommt man in einen großen Raum mit vielen nach oben führenden Spalten.  Dieser Teil bekam den Namen Emmental.  Nach dem Emmental folgen Ab- und Aufstiege, zurzeit endet der Höhlenbereich in einem Schlot, der hoch genagelt wurde – leider ohne Erfolg. Es gibt aber mehrere Stellen im Emmental und in der Lehmspalte, wo man durch Grabung eventuell weiter kommen könnte.

     Einstieg ins Emmental von der Drachenfelsseite aus


     Einstieg ins Emmental vom Emmental aus


     Blick im Emmental Richtung Abstieg


     Abstieg vom Emmental in die Lehmkluft

Im Bereich Ying und Yang wurden zwei kleine Schächte untersucht, die Vermessung steht noch aus.

3. Vermessung:

Im Übergangsbereich zwischen Walhalla und Nordgang  führt ein kleiner Gang in Richtung Palast der Winde. Im Kellergeschoss des Palastes der Winde führen Spalten auf diesen Gang zu. Es wurde von beiden Seiten eine Vermessung durchgeführt. Beide Gänge sind von der Richtung nur wenige Meter voneinander entfernt. Der Höhenunterschied beträgt allerdings fast 20m. So ist ein Zusammenführen der Gänge durch Grabung  nicht machbar und auch nicht sinnvoll.

     Einstieg in den Gang Nordgangversturz Richtung Palast der Winde


     Bei der Vermessung im Nordgangversturz Richtung Palast der Winde


    Vermessung: Keller des Palastes der Winde in Schutzkleidung, um die weißen Tropfsteine nicht zu beschmutzen


4. Telemetrie:

Im Zeitraum wurde die Firmware in den CaveLinks auf den neuesten Stand gebracht. Dadurch konnte der Stromverbrauch der Messstelle in der Abzweighalle und im Wolkenschloss ein gutes Stück verringert werden.

Das CaveLink im Nordgang, welches die beiden vorgenannten Messtellen steuert und loggt, musste ausgetauscht werden, weil wir beim Einbau des Gerätes vergessen hatten, den Li-Akku im Gerät auszubauen, denn die Geräte werden ja normalerweise extern durch Blei-Akkus versorgt.
Der interne Akku hat das zwar 6 Jahre mitgemacht, hat sich aber dann im Sommer 2015 im Gehäuse "verdoppelt", was zur Folge hatte, dass die Elektronik des CaveLink Schaden genommen hat. Dummer Benutzerfehler….. (siehe Bild)

Draußen auf dem "Operationstisch" in der Werkstatt stellte sich  dann heraus, dass nur die Sicherung auf der Stromversorgungsplatine defekt war. Die wurde ersetzt und das Gerät bei einer späteren Gelegenheit wieder im Nordgang installiert.


 Noch einige Bilder aus der Vetterhöhle

     Ausblick in die große Halle der Vetterhöhle ("Walhalla")
 
     "Nordgang"-Panorama, im rechten Teil die schmale Fortsetzung
 

     "Abzweighalle"-Panorama, rechts geht es zum "Wolkenschloss", links die Fortsetzung des Nordgangs
 
 
     "Sinterschluf", Ende Nordgang
 
     "Drachenfelsgang"
 
      Die trockene Verbindung zur Blautopfhöhle ("Wolkenschloss")
 

Der Plan der Vetterhöhle:

Plan als PDF-File (höhere Auflösung, DIN A0, Stand: Januar 2015)

Stand: Januar 2016

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