Steebschacht

Der Steebschacht bei Wennenden (Kat.-Nr. 7524/120)

Geschichte

Der Steebschacht bei Wennenden war bis in die 1960iger Jahre eine der größten Dolinen auf der Gemarkung Wennenden. Ca. 1964 war im Zuge der Planung für eine Kläranlage eine Einbeziehung der Doline als Regenwasserüberlauf geplant. Bedingt durch die Änderung der gesetzlichen Vorgaben an Kläranlagen, wurde dieses Vorhaben nicht mehr realisiert.

Stattdessen wurde nun die Doline ausgebaggert und in 16 m Tiefe ein Betonfundament eingebracht. Auf dieses Fundament wurden quadratische Betonringe mit einer lichten Weite von 1,1 m bis zur Geländeoberkante gestellt und die Doline ebenerdig aufgefüllt.

Ein Betonrohr mit 30 cm Durchmesser führte in etwa 2 m Tiefe in den Betonschacht und diente nun zur Entwässerung der Dachflächen der angrenzenden Gebäude.


     Der obere, mit Betonringen ausgebaute Teil des Steebschachtes zu Beginn der Arbeiten

 

Entdeckungsgeschichte

In den neunziger Jahren wurde der Schacht bereits durch einige Höhlenforscher geöffnet und in Augenschein genommen. Es erfolgte jedoch keine Vermessung und keine weitere forscherische Bearbeitung des Objektes.

 Zunächst wurde Kontakt mit Herrn Bold (dem damaligen Ortsvorsteher von Seissen) aufgenommen. Nachdem festgestellt wurde, daß es keine aktuelle oder frühere Grabungsgenehmigung gab. Darauf hin wurde eine Grabungsgenehmigung beantragt.

Bei einer ersten Erkundung durch den Höhlenverein Blaubeuren wurde in einer Teufe von ca. 8 m stehendes Wasser entdeckt. Nach einer kurzen Grabung stellte sich der Boden als äußerst hartnäckig heraus. Der Grund war schnell gefunden. Unter einigen Zentimetern Dreck und Schlamm zeigte sich eine Betonplatte. Als diese durchbohrt wurde, floß das Wasser ab, und die Betonplatte konnte beseitigt werden. Zum Vorschein kamen acht weitere Meter Betonschacht. Am Ende des Betonschachtes waren die Betonfundamente sichtbar. Da das Regenwasser über vierzig Jahre durch den Schacht floß, wurde das Betonfundament so unterspült, daß die Unterseite des Fundamentes sichtbar war. Nach einer Begutachtung durch das Geotechnikbüro Hunthausen war klar, daß hier eine Sanierung des Bauwerkes erfolgen mußte.

 

Sanierung

Zur Erleichterung der Befahrung wurde eine Leiter eingebaut.

     Die Leiter in voller Länge

Da die Tragfähigkeit der Fundamente in Frage gestellt war, wurde mit der Planung der Schachtsanierung begonnen. Hierzu mußte die Unterfütterung der bestehenden Fundamente durch eine Betonplombe erfolgen. Um die Zugänglichkeit und die weitere Forschung zu ermöglichen, wurde ein 4 m langer tonnenlägiger Betonschacht geplant. Durch die Ausführung der Schalung mittels eines Leitplankenschachtes mit einer lichten Weite von 1,4 x 1,4 m und einer Länge von vier Metern, war die Zugänglichkeit gesichert. Zusätzlich konnte durch diese Maßnahme auf eine Betonbühne verzichtet werden und 10 Tonnen Beton eingespart werden.

     Skizze der Sicherungsarbeiten unter dem unterspülten, alten Fundament

Die Hauptarbeit der Sanierung bestand nun in der konstruktiven Umsetzung der Schalung. Diese mußte am unteren Ende auf den anstehenden Fels aufgesetzt und fest verankert werden. Weiterhin mußte die Ausrichtung des Schalung so geschehen, daß sie die etwa vier Meter höher befindlichen Fundamentreste paßgenau erreichte, um einen Abschluß mit den oberen Schachtsegmenten zu bilden.

      Der untere Rahmen des Leitplankenschachtes
 
     Nun ist die Konstruktion schon zu erkennen

Für die Betonierarbeiten wurde ca. 24 Tonnen Beton benötigt. Daher entschieden wir uns die Betonierung in drei Phasen zu unterteilen.

In der ersten Phase wurden die unteren Widerlager des Leitplankenschachtes, der als Schalung dient, geschaffen, ausgerichtet und fixiert. Danach wurde die verlorene Schalung angebracht um eine Abdichtung nach unten zu schaffen. Zusätzlich wurden zwei Leerrohre eingebracht um eine Drainage für zwei Tropfwasserstellen zu schaffen. Zum Schluß wurde der erste Kubikmeter Beton mit Hand eingebracht, um die Schalung zu dichten.

Die zweite Phase diente dazu den Großteil des Betons einzubringen. Zur Einbringung der acht Kubikmeter Beton wurden im Schacht 20 Meter Betonierrohre eingebaut. Da sich Beton nach einigen Metern freien Falls entmischt, wurden mehrere Umwegrohre eingebaut. So wurde mit einem Betonmischer und einer Betonpumpe der Beton eingebracht. Unglücklicherweise hatte wir uns dazu den kältesten Tag des Jahres ausgesucht (-17°C).

     Schweres Gerät im Wintereinsatz
 
     Betonier-Einsatz bei arktischen Temperaturen

In der abschließenden dritten Phase wurde die Schalung bis an das bestehende Fundament fertiggestellt. Sowie der restliche Beton mittels der o. g. Rohre unter Zuhilfenahme von Rüttelflaschen verteilt. Anschließend wurden die Verstärkungsbalken der Schalung entfernt.

 

Raumbeschreibungen

Die ersten 16 Meter des zunächst senkrechten Schachtes bestehen aus quadratischen Betonrohren die auf einem etwa 0,4 Meter starken Fundament stehen. Dort schließt sich ein ebenfalls quadratischer Schacht aus Leitplanken an. Dieser etwa 4 Meter tiefe Schacht ist um etwa 10 Grad geneigt und steht am Hangende an der festen Felswand auf.

Hier öffnet sich eine in westliche Richtung verlaufende, etwa acht Meter tiefe Spalte. Kurz unterhalb der ersten freihängenden Umsteigstelle gelangt man über einen kurzen Schluf zu einer weiteren Abseilstelle. Nach wenigen Metern ändert sich der Höhlencharakter deutlich. Im Gegensatz zu den stark korrodierten Wänden des ersten Schachtes, sind hier die Wandoberflächen glatt. Zudem ist in dem hier von Verbruch geprägten Bereich sehr deutlich eine Ausrichtung mehrerer Spalten in südwestliche Richtung erkennbar. Der Verbruch in einem wiederum in westliche Richtung heraufführenden Gang ist mit tief dunklem Sediment bedeckt, daß auffallend trocken ist. Die nach unten führenden Klüfte dagegen sind wieder - wie auch der Eingangsschacht - auffallend korrodiert.

Durch den Schluf zurück kann man sich wieder weiter in den Hauptschacht abseilen. Nach 15 m Abseilstrecke steht man am Ende des Hauptschachtes auf Verbruch der zum Teil durch die Drainage gebildet ist, die in den letzten vierzig Jahren in den Schacht gerutscht ist.

     Die größte und momentan tiefste Halle des Steebschachtes

Die Decke des Endraumes hat eine Deckenhöhe von ca. 18 Metern. Vom unteren Ende dieser Halle führt ein weiterer Schlot noch einige Meter in die Höhe, bevor er unbefahrbar endet. Einige Meter oberhalb gibt es noch eine kleine Kammer mit ca. zwei Metern Durchmesser deren Boden ebenfalls durch Verbruchblöcke gebildet ist.

     Abseilen in die große Halle

Bei starken Regenfällen fließt das Wasser nach wie vor über die neu sanierten Rohre in den Schacht und wird nun mittels HT-Rohren an den tiefsten Punkt der Höhle geleitet. Dennoch ist von einer Befahrung bei starkem Regen abzuraten, da noch unklar ist, wie der Schacht auf Wasser anspricht.

Stand 08/2010  Lothar Midden


     Blick in Richtung „Ausgang“.
     Foto: Lars Bohg

Bald stellte sich dann doch heraus, dass Regenwasser in den installierten Rohren gut abläuft und einfach unten dann im Geröll "verschwindet". Die Hoffnung, dass man mit gezieltem Einleiten des Wassers einen Weiterweg quasi freispülen könnte, hat sich nicht bewahrheitet. So musste also mühsam im unteren Teil der großen Kluft eine Grabung begonnen werden. Die Grabungsstelle wurde dann in der inzwischen üblichen Leitplankentechnik ausgeführt. Da wir von Hans-Georg Steeb Strom zur Verfügung haben, konnte die Grabungsstelle gut beleuchtet werden, ohne die ganze Zeit einen Generator laufen zu lassen. Trotz "Wasserspülung" befindet sich aber soviel Lehm zwischen den Geröllbrocken, dass die Graberei abgesehen von der Schinderei auch eine ziemliche Sauerei ist. Durch den Lehm wird auch das händische Aufziehen des Grabungseimers oder der größeren Geröllbrocken stark erschwert, weil das Zugseil schnell ebenfalls stark verlehmt und sich dann nur noch mit Hilfe von Seilklemmen hochziehen lässt.


     Ende 2014 musste ganz unten ein sehr großer Block speziell abgefangen werden.
     Die Arbeit wurde von Robert Eckardt in gewohnt professioneller Weise erledigt.
     Foto: Lars Bohg

Anfang 2015 wurde dann von den Projektleitern beschlossen, nun doch eine Winde einzusetzen. Das Problem im Steebschacht bei Einsatz von Technik ist allerdings, dass alles metallische in ziemlich kurzer Zeit stark korrodiert. Die Frage war nun: Eine Billigwinde nehmen und eventuell jährlich durch eine Neue zu ersetzen oder doch lieber eine "Profiwinde" einzusetzen, die von vornherein gut gegen Korrosion geschützt ist? Nach kurzer Diskussion wurde entschieden eine "Profiwinde" zu verwenden. Die hat nämlich den Vorteil, mehr Gewicht ziehen zu können und zusätzlich kann sie auch noch wesentlich mehr Seil aufnehmen. Beim derzeitigen Stand (Tiefe des Grabungsschachtes ca. 13m) wäre eine Billigwinde bereits am Ende der möglichen Seillänge angelangt. Also war das in jedem Fall eine gute Entscheidung. Bisher wurde die Winde allerdings noch nicht installiert, weil erst eine tragfähige Aufnahme für die Winde gebaut werden muss. Kurz vor "Redaktionsschluss" wurde nun entschieden, eine fertige, im Handel erhältliche, galgenartige Windenaufnahme zu kaufen. Eben auch etwas "professionelles".

   So sieht man den Steebschacht, wenn man
   in die große Halle hinunterkommt
   Foto: Lars Bohg

   Ein nicht unerheblich großer Hohlraum auf
   der nordwestlichen Seite wurde entdeckt
   Foto: Lars Bohg

Wer den Steebschacht mal befahren bzw. in Augenschein nehmen will, meldet sich über das Kontaktformular. Da es bei uns keine touristischen Befahrungen gibt, nötigt man sich natürlich dann auch an diesem Tag mitzuhelfen. Aber das tut doch ein Forscher gerne. Unabdingbar sind gute Kenntnisse in Einseiltechnik (SRT)! Also wir sehen uns.

     Lothar Midden und Robert Eckardt bei der Arbeit.
     Foto: Lars Bohg


Stand 08/2015   Markus Boldt

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